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Wirtshaussterben: Wer rettet das Miteinander?

"BLICKWECHSEL Spezial" am Do., 12.11., ab 21:15 Uhr

Wirtshaus

© ServusTV / Dennis Meyer
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jedes Jahr schließen in Österreich 250 Wirtshäuser. Ganze Ortschaften verlieren damit wichtige soziale Zentren. In der Steiermark verkauft eine Wirtin ihr Brauhaus, weil die jahrzehntelange Arbeit körperlich zu anstrengend geworden ist, in Salzburg sieht der letzte Wirt von Puch die Bürokratie als Gefahr für seinen Berufsstand. Und in Niederösterreich hat sich eine Dorfgemeinschaft zusammengetan, um das letzte Wirtshaus im Ort doch noch zu erhalten. Warum schließen die Wirte? BLICKWECHSEL Spezial ist auf Gasthaus-Tour durch Österreich gegangen.
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„Am Stammtisch ist jeder willkommen“, sagt die Kabarettistin Monika Gruber. Dort streiten der Pfarrer, der Lehrer und der Unternehmer schon einmal mit Wirt und Wirtin. Und am nächsten Tag ist’s wieder gut. Das Wirtshaus als Keimzelle der Demokratie?

Von einst 16.000 Wirtshäusern in Österreich sind nur noch 6500 übrig geblieben. Jedes Jahr schließen 250 Gaststätten für immer: Was sind die Gründe für das Wirtshaussterben? 

Seit dem 16. Jahrhundert werden in Neumarkt in der Steiermark Gäste im Wirtshaus „Zum Bräuer“ verköstigt. Seit fast 40 jahren ist Hermine Seidl für ihre Gäste da. Diese Tradition könnte nun enden. Sie sucht gerade einen Nachfolger, weil der Körper nicht mehr mitmacht. „Wir gehen ja oft erst nach Mitternacht ins Bett. Das ist schon Leistungssport.“ Mit Tränen in den Augen schildert sie, wie schwer es ist, Interessenten zu finden. Vielen ist der Beruf einfach zu anstrengend. Die Stammgäste im Ort fürchten sich schon vor dem Tag, an dem „die Hermine“ dann endgültig zusperrt: „Pah, wo gehen wir da hin?“, klagt einer. „Für uns alle wäre das eine Katastrophe. Die Gemeinschaft geht verloren, wenn man den Platz zum Treffen nicht mehr hat“, sagt ein anderer.

In Puch bei Hallein ist der Kirchenwirt von Christian Rettenbacher das letzten traditionelle Wirtshaus im Ort. Und das obwohl die Gemeinde zu den am stärksten wachsenden in ganz Österreich gehört. Rettenbachers Geschäft brummt. Noch kommen auch prominente Gäste wie die Salzburger Unternehmerlegende Rudi Quehenberger gerne zu ihm an den Stammtisch zum Kartenspielen. Doch selbst ein Erfolgswirt wie Rettenbacher sieht dunkle Wolken am Horizont aufziehen: Immer mehr Gäste kommen nicht mehr zu ihm – viele Vereine zum Beispiel: „Jeder Verein hat heute sein Vereinsheim, da kriegst du ein Bier um zwei Euro, was bei uns 5 Euro kostet, weil wir Steuern und Mitarbeiter zu bezahlen haben. Und da sagen sich halt viele – da geh ich lieber ins Vereinsheim als zum Wirt.“ Zusätzlich macht Rettenbacher die staatlich verordnete Bürokratie Kopfzerbrechen. „Du musst heute für jede einzelne Kühlanlage jeden Tag Temperatur mitschreiben. Das ist zeitaufwändig.“ Und solche Pflichten würden von Jahr zu Jahr mehr.

Wie das letzte Wirtshaus im Ort gerettet werden kann, sieht man in Hochneukirchen in der Buckligen Welt/Niederösterreich. Vor drei Jahren haben sich engagierte Bürger zusammengetan, eine Genossenschaft und „s’Hutwisch“ gegründet. Seither läuft das Geschäft wieder – und das Wirtshaus führt zudem jede Menge Abgaben an die Gemeinde ab. Thomas Heissenberger ist nicht nur Bürgermeister des Orts, sondern auch Obmann der Genossenschaft. Er sagt, der Erhalt der Gaststätte habe gewissermaßen den Ort selbst gerettet. „Das Wirtshaus bei uns ist sozialer Treffpunkt, ein Leben lang, von der Wiege bis zur Bahre“.

Seine eigene Theorie zum Wirtshaussterben hat Philosoph Robert Pfaller. Er beobachtete in den vergangenen Jahren eine zunehmende Genussfeindlichkeit: Alkohol, fettes Essen, der Genuss von Rauchwaren - selbst der Konsum in Maßen sei heute bei vielen schlecht angeschrieben. Das treibe die Menschen aus den Wirtshäusern. Seine Hoffnung liegt deshalb auf der Zukunft: „Vielleicht bemerken wir irgendwann, dass wir es übertrieben haben mit dem Gesund- und mit dem Nachhaltigsein wollen. Und dass es eine Dimension in uns gibt, in der wir auch mal ein bisschen über die Stränge schlagen müssen.“

Gibt es Rezepte, um die berühmte österreichische Wirtshauskultur vielleicht doch zu erhalten? BLICKWECHSEL Spezial am Do., 12.11. ab 21:15 Uhr bei ServusTV und ServusTV On.

Über „BLICKWECHSEL. Das Nachrichtenmagazin“
Katrin Prähauser präsentiert jeden Donnerstag Hintergründe und exklusive Recherchen zu den wichtigsten aktuellen Themen, die Österreich bewegen. Im Fokus stehen Aspekte, die bislang wenig oder gar nicht berücksichtigt wurden. In jeder Sendung ist ein Experte zu Gast, mit dem Themenbereiche vertieft werden, zudem befragt ein renommiertes Meinungsforschungsinstitut für jede Sendung die Menschen in Österreich zu aktuellen Themen. Weitere Infos und die Sendungen zum Nachsehen gibt es bei ServusTV On.

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