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Alexander Huber: „Verarbeiten kann ich so etwas nicht. Das trage ich durch mein Leben.“

Zitate-Service „Sport und Talk Spezial aus dem Hangar-7“ am 27. Juli 2026

Alexander Huber
© ServusTV / Manuel Seeger
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ein Jahr nach dem tragischen Bergunglück von Laura Dahlmeier erinnerte ein "Sport und Talk Spezial aus dem Hangar-7" im Anschluss an das "Bergwelten Spezial" an die Doppelolympiasiegerin. Tamara Lunger, Alexander Huber, Peter Schlickenrieder, Simon Messner und Andrzej Bargiel sprachen über die Ausnahmeathletin und ihre Leidenschaft für die Berge. Außerdem beleuchteten sie die Risiken des Bergsteigens und die Faszination der höchsten Gipfel der Welt. Die Sendung ist ab sofort bei ServusTV On verfügbar.
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Tragödie Laura Dahlmeier

„Ich glaube, Laura habe ich von Herzen kennengelernt, kannte sie aus dem Fernsehen. Ihre Authentizität hat mich begeistert. Dazu auch ihre Heimatverbundenheit. Man trifft selten Frauen, mit denen man mehr am Berg machen will. Wir wollten sogar noch gemeinsam nach Kirgistan fahren. Es hätte sich eine Seilschaft entwickeln können. Wir haben die Zeit genossen und immer super miteinander gesprochen.“
Tamara Lunger hat in Laura Dahlmeier eine Freundin gefunden.

„Sie hat es genossen, gemeinsam unterwegs zu sein. Im Biathlon war sie Einzelsportlerin. Sie hat die Gespräche und den täglichen Austausch genossen. Sie hat sich auf den Partner und die Partnerin eingelassen. Sie wollte eine gute Zeit mit anderen Menschen verbringen. Das ist für Einzelsportler nicht selbstverständlich. Sie hat auf alle aufgepasst und alle mitgenommen.“
Peter Schlickenrieder über Dahlmeiers Fähigkeit, sich auch in Gruppen unterzuordnen.

„Laura hat in Ruhpolding fix trainiert. Es hat nicht lang gedauert, bis wir uns begegnet sind. Nach dem Training ist sie in die Boulderhalle gefahren, war voll motiviert. Dass sie da überhaupt noch Kraft hatte … Durchs gemeinsame Bouldern ist es halt dann immer weitergegangen. Sie war vielleicht überlastet, aber so war sie glücklich.“
Alexander Huber war von Laura Dahlmeiers sportlichen Leistungen begeistert.

„Ich habe genau diese Motivation auch als ihr Geheimnis gesehen. Sie hatte eine wahnsinnige Bewegungszeit. Sie hat aber gesagt, dass das ihre Freizeit ist. Da hat sie sich erholt.“
Peter Schlickenrieder erzählt aus Trainersicht.

„Sie war im richtigen Moment immer perfekt fokussiert. Wenn es um die Wurscht ging, war sie im Tunnel und nicht mehr abzubringen. Das erlebt man selten. Sie war am Punkt X da. Die Nebengeräusche musst du da ausschalten. Unglaublich, wie sie das geschafft hat. Gerade bei Großveranstaltungen läuft rundherum nicht immer alles wie geplant. Da musst du in deiner Mitte sein. Sie wusste, wo sie die Extrameile gehen musste.“
Peter Schlickenrieder über Dahlmeiers Antrieb.

„Das Klettern war ihr sehr wichtig. Sie hat fürs Klettern am Nachmittag, am Vormittag manchmal ein bisschen lockerer trainiert, obwohl es der Plan nicht zugelassen hätte.“
Alexander Huber.

„Sie hatte sehr viel Herzlichkeit und Menschlichkeit.“
Tamara Lunger.

„Ihr großes Ziel war immer, Olympiasiegerin zu werden. Mehr hätte sie da nicht mehr erreichen können. In der Welt der Berge gab es für sie noch so viele Ziele. Es war ein klar sichtbarer Horizont für sie. Vielleicht hat sie wirklich deshalb etwas früher aufgehört. Im Biathlon hatte sie alles erreicht.“
Alexander Huber weiß, dass Bergsteigen nach der Karriere geplant war.

„Den Bergsportler hat man gerne im Ausdauersport. Man muss alles zurückstellen, wenn man erfolgreich sein will. Wenn die Langlauferei aus ist, kann man natürlich andere Dinge mehr machen. Der Aufwand war schon sehr hoch. Wenn wir philosophiert haben, ging es darum, wo wir Skitouren gehen oder bergsteigen.“
Peter Schlickenrieder über gemeinsame Freizeit.

„Ich habe nicht viele Frauen getroffen, die so ticken wie ich. Viele nehmen sich zurück, nur weil sie Frauen sind. Ich trage nicht weniger als die Männer. Für mich ist es kein Problem, eine Frau zu sein. Laura und Sabrina (Filzmoser) waren da ähnlich gestrickt. Wir waren auf einer Wellenlänge.“
Tamara Lunger erzählt von ihren zwei starken Partnerinnen.

„Im Biathlon hat sie alles individuell betrieben. Beim Bergsteigen war ihr die Gemeinschaft sehr wichtig. Am Mont Blanc hat sie einmal auf mich gewartet. Sie hat mich gefragt, ob es mir nicht gut geht. Das ist aber mein Mantra. Sie hat sich die Zeit genommen, um sich das anzuhören. Das hat sie am Bergsteigen so fasziniert. Wir wussten auch, dass sie das alles kann, sie war aber zurückhaltend. Sie hat die ganz schweren Routen mitgemacht. Sie hatte da schon viele Highlights.“
Alexander Huber.

„Die Passion für den Bergsport war für sie ihr erster richtiger Job. Und das trotz ihrer Karriere zuvor. Sie wollte den Beruf des Bergführers erlernen, hat das ernst genommen und dafür auch ganz normal bezahlt werden wollen. Sie wollte nicht die beste Alpinistin werden, sondern die Bergwelt einfach entdecken. Es ging nicht um Spitzenleistungen, sondern das ist im Tun entstanden.“
Peter Schlickenrieder.

„Sie hat sich für ein Seitental, die Südseite, interessiert. Mir fällt die klimatische Veränderung gerade hier extrem auf. Das ist beim Bergsteigen ein Thema. Der Niederschlag hält sich am Berg nicht mehr. Ich kannte Laura zu wenig, war sehr positiv überrascht, dass sie sich diesen Randberg ausgesucht hat. Den kennt niemand. Die Nachricht vom Unglück hat mich dann ganz überrumpelt. Sie wusste, was sie tut, hat sich bis ins Detail vorbereitet. Ihre Fragen waren, als wäre sie schon einmal dort gewesen. Ich habe ihr noch gesagt, dass sie immer links und rechts schauen soll, weil das Ziel nicht erreicht werden könnte.“
Simon Messner erzählt, wie er das Unglück miterlebt hat.

„Es ist russisches Roulette bis zum Schluss, es kann jeden treffen. Ein erfahrener Bergsteiger ist der, der sich nicht mehr traut. Man muss oft riskieren. Ich bin auch an einem Punkt, wo ich überlege, wo und wann ich gehe. Umdrehen ist nie ein Fehler.“
Simon Messner überlegt selbst mehr die Risiken.

„Ich habe einen Anruf bekommen. Da wurde mir erzählt, dass es nicht so gut um Laura aussieht. Ich war in der Mongolei unterwegs. Der Anruf hat mich viele Tage sehr beeinflusst. Es wurde um mich sehr leise. Das hat viele Löcher aufgerissen. Ich habe mir viele Fragen zum Leben gestellt: „Ist es das wert?“ Ich habe die Trauer mit mir selbst ausgemacht. Das war nicht einfach.“
Tamara Lunger war bei der Schicksalsmeldung auf sich gestellt.

„Es war nicht ganz greifbar, ich konnte mir das einfach nicht vorstellen.“
Peter Schlickenrieder war geschockt.

„Es ist eine Realität im Alpinismus. Menschen bleiben am Berg zurück. Es kann zu viel Risiko, aber auch ein unglückliches Schicksal sein. Wir wollen das Licht spüren und das Schöne erleben. Es herrschen Gefahren. Klar ist: Jeder Verlust ist tragisch. Wir müssen alles reflektieren und durchdenken, müssen Strategien überdenken. Das ist ein harter Schlag. Umso härter, je näher der Mensch einem steht.“
Alexander Huber weiß, dass das Risiko immer besteht.

„Ich reflektiere jeden Unfall am Berg. Aber es ist generell bei uns so, dass die Fehlerkultur miteingebaut ist. Warum ist dieses und jenes passiert? Wenn ich keine Ahnung von Lawinengefahr habe, lebe ich brandgefährlich.“
Alexander Huber erzählt von Fehlerkultur im Bergsport.

„Die Gletscher ziehen sich zurück. Das macht viel frei auf den Bergen. In den heißen Monaten gibt es eine große Steinschlaggefahr. Es ist im Hochsommer fast nicht mehr machbar. Wenn große Ziele im Sommer misslingen, ist es nicht nur Pech. Das ist schon ein großes Risiko.“
Alexander Huber über unvorhersehbare Steinschläge im Sommer.

„Es war ihr letzter Wille. Sie ist trotzdem immer noch da. Wo ihr Körper liegt, ist nicht entscheidend. Sie schaut uns jetzt sicher zu und freut sich über die schönen Geschichten, die wir miteinander erlebt haben.“
Peter Schlickenrieder über die Tatsache, dass Dahlmeiers Leichnam in den Bergen blieb.

„Den letzten Willen zu respektieren ist wichtig. Auch wenn es für die Hinterbliebenen nicht so verständlich ist. Eine Bergung kann gefährlich und teuer sein. Es geht nur darum, was der Mensch hinterlässt. Für mich ist es nicht wichtig, dass es einen bestimmten Ort gibt, wo man ihm wieder begegnet. In den Gedanken, Erinnerungen und Emotionen ist es viel schöner.“
Tamara Lunger über emotionale Verbindungen zu Verstorbenen in den Bergen.

„Verarbeiten kann ich so etwas nicht. Das trage ich durch mein Leben.“
Alexander Huber.

„Wenn es um den Tod geht, beschäftigt uns das alle. Für die Gesellschaft muss immer wer schuld sein. Das lässt Emotionen hochkochen. Das ist im Affekt dann oft sehr extrem.“
Peter Schlickenrieder über das komplizierte Thema Tod.

„Das Großteil der Bergsteiger ist verantwortungsvoll. Wenn ich ein Kind im Straßenverkehr überfahre, habe ich Schuld und war mir meiner Verantwortung nicht bewusst. Wenn man am Berg Erfahrung hat, hat man Verantwortung. Das ist ein stilles Geheimnis. Das erinnert mich an Mohammad Hassan am K2. Da sind Menschen über eine Leiche gestiegen. Da ist jede Grenze überschritten worden.“
Alexander Huber.

„Ich konnte mich am Berg immer ausleben, war dort ich selbst. In einem Moment am K2 wurde dieser Ort grau, farblos und er hat mir Angst gemacht. Das war mein schwierigster Moment. Er hat mir fünf Freunde gekostet und meine größte Freude. Es folgten Panikattacken und Angstzustände. Das hatte ab diesem Zeitpunkt keinen Sinn mehr. Ich hatte nie Angst, hatte immer Vertrauen. Dann war das plötzlich still, versteinert und leblos. Ich konnte mich dann nur mehr in die Angst hineinbegeben, um sie zu verändern. Übers Paragliden habe ich mich in eine andere Angst hineinmanövriert. Das hat sich dann total ausgezahlt und wurde eine Leidenschaft. Wenn ich beim Dolomitenmann ins Ziel gelaufen bin, habe ich mich wie eine Siegerin gefühlt. Ich musste seit 2021 viel an mir arbeiten. Das war nur durch die Tragödie möglich. Ich war gezwungen, dem ins Gesicht zu schauen. Ohne das hätte ich nicht die Kraft gehabt, den inneren Weg zu gehen. Jetzt bin ich die beste Version meines Lebens.“
Tamara Lunger erzählt von ihrem Erlebnis.

„Wir lieben es, über den Dingen zu stehen. Oben beim Licht. Es gibt Schattenseiten. Es ist aber einfach schön, draußen zu sein. Deshalb werden wir das einfach weitertun.“
Alexander Huber.

„Das ist der schönste Ort, ein wunderschöner Berg. Er war mir gegenüber freundlicher. Unterm Gipfel habe ich drei Tage verbracht. Man muss viel Glück haben, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Bergklettern und Skifahren sind unterschiedliche Dinge. Es gab viel Schnee. Ich war im April dort. Wenn es ums Klettern geht, braucht es mehr Eis. Ich hatte niedrigere Temperaturen. Das war wichtig und hat mich geschützt.“
Andrzej Bargiel ist Fan von Laila Peak.

„Es ist eine große Leidenschaft und nicht meine To-do-Liste. Die Berge in Pakistan sind wilder als in Nepal. Das zieht mich an. Es ist ein Privileg, an so besonderen Orten Ski zu fahren. Ich bin einen Ort hinuntergefahren, der seit Jahren nicht begangen wurde. Nanga Parbat war sehr schwierig. Ich konnte nicht denselben Weg auf- wie absteigen. Ich fuhr drei Stunden hinunter, es herrschte große Lawinengefahr. Es war anspruchsvoll.“
Andrzej Bargiel erzählt von seinem Extremprojekt.

„Wir haben viel Glück. Das Equipment ist heute sehr leicht. Mein Zelt hat 600 Gramm gewogen. Das hilft natürlich. Man trägt zwölf, 13 Kilo. Das wäre früher alles nicht möglich gewesen. Wir dürfen keine Fehler machen. Das Skifahren ist anders als in den Alpen. Wir haben Rettungsdienste und Freunde. Dort ist alles wichtig und es ist nicht nur eine schnelle Abfahrt. Die Höhe macht einem zu schaffen. Vieles passiert langsamer. Man hat nicht viel Energie.“
Andrzej Bargiel gibt Einblicke und Unterschiede.

„Die Berge wissen nicht, dass wir Experten sind. Wir werden nicht belohnt, müssen Distanz wahren und demütig sein. Wir können mit Risiko umgehen, machen das im Alltag. Wir brauchen einen Plan B und müssen offen für Planänderungen sein. Wir müssen uns freuen, in den Bergen sein zu dürfen. Wenn ich einen Gipfel nicht erklimme, ist es in Ordnung. Berge sind gefährlich.“
Andrzej Bargiel über das Risikomanagement.

„Ich sage immer, dass ich mich über das freue, was ich schon gemacht habe. Das Leben hier geht aber auch weiter. Ich möchte noch viele Orte besuchen. Nur Achttausender zu besteigen, ist nicht alles, was mich erfüllt. Auch in den Alpen kann man viel machen. Ich möchte in die Antarktis, nach Peru und nach Alaska. Ich hoffe, dass noch viel vor mir liegt.“
Andrzej Bargiel hat noch viele Ziele.

Die aktuelle „Sport und Talk Spezial aus dem Hangar-7" Sendung ist ab sofort bei ServusTV On verfügbar.

Sendungs-Tipp "Bergwelten Spezial": Laura Dahlmeier ... ein Schritt zu weit bei ServusTV ON
Mit nur 31 Jahren verunglückt Laura Dahlmeier am über 6.000 Meter hohen Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge. Mit einer Spezial-Ausgabe Mit einem „Bergwelten Spezial“ zum ersten Todestag würdigt Bergwelten das alpinistische Wirken der zweimaligen Biathlon-Olympiasiegerin und mehrfachen Weltmeisterin, die bereits mit 25 Jahren ihre große Karriere beendet, um sich ganz ihrer großen Leidenschaft zu widmen – dem Bergsteigen. 


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