Meldung vom 22.04.2026
zum Thema „Weißmann-Chats: Pranger oder Privatsache?“ diskutierte Michael Fleischhacker gestern Abend bei „Talk im Hangar-7“ u.a. mit dem Anwalt des ehemaligen ORF-Generaldirektors Roland Weißmann. Hier das Zitate-Service.
Die Affäre Weißmann ist um eine Episode reicher. Nach Abschluss der Compliance-Untersuchung hatte sich der ehemalige ORF-Generaldirektor vom Vorwurf sexueller Belästigung entlastet gefühlt. Doch die betroffene Frau spricht in Interviews von „Lüge“, und jetzt hat die Wochenzeitung „Falter“ intime Ausschnitte aus den Chats der beiden veröffentlicht. Ein voyeuristischer Eingriff ins Privatleben, ein Bruch des Medienrechts – oder eine Entscheidung im Sinne des öffentlichen Interesses? Geht es um Machtmissbrauch, oder sind wir Zeugen einer Intrige? Und welches Sittenbild spielt sich vor unser aller Augen ab? Zu Gast bei Michael Fleischhacker waren Weißmann-Anwalt Oliver Scherbaum, Falter-Journalistin Barbara Tóth, Polit-Kommentator Gerald Grosz und Milo Rau, Intendant der Wiener Festwochen. Hier das Zitate-Service.
Weißmann-Anwalt Oliver Scherbaum:
„Es ist eine ganz klare Rechtsverletzung. Warum? Weil es überhaupt keinen Erkenntnisgewinn für die Sache bringt.“
„Was hier passiert, ist keineswegs ein vollständiger Sachverhalt, sondern das ist eine einseitige Darstellung.“
„Im konkreten Fall ist es ja so, dass der Herr Mag. Weißmann und auch die Frau diese Kommunikation nicht in die Öffentlichkeit getragen haben. Wer hat den Vorwurf der sexuellen Belästigung in die Medien getragen? Es war der ORF selbst. Und jetzt muss man natürlich das in irgendeiner Art und Weise rechtfertigen und deswegen spricht man die Kündigung aus.“
„Kann sich hier irgendjemand in dieser Runde vorstellen, wie es dem Herrn Weißman gehen muss? (…) Andere haben ihn in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt, haben seinen höchstpersönlichen Lebensbereich genüsslich ausgebreitet, aus reiner Sensationsgier, aus Profitgier.“
„Ich halte es auch unternehmensrechtlich für wirklich problematisch, dass es einen Alleingeschäftsführer gibt, der ohne irgendwelcher Kontrolle über alle Möglichkeiten und Verbindlichkeiten verfügen kann.“
Falter-Journalistin Barbara Tóth:
„Der ORF gehört uns allen. Wir sind alle Beitragszahler, wir finanzieren ihn mit, und wir haben ein Recht zu erfahren, was wirklich passiert ist.“
„Wir haben uns die geltende Rechtslage und die Judikatur sehr genau angeschaut und sind zum Entschluss gekommen, dass es in diesem speziellen Fall gerechtfertigt ist, die Chats wortwörtlich zu veröffentlichen.“
„Er will mehr als nur eine Freundschaft, sie will nur eine Freundschaft. Das zieht sich durch den gesamten Chat.“
„Wer immer es ab Juni werden wird, muss dafür sorgen, dass er in diesem Reformprozess eine starke Stimme für den ORF gegenüber der Politik darstellt. Die Frage ist nur, wird es irgendjemanden geben?“
Polit-Kommentator Gerald Grosz:
„Der Falter hat sich zu einem Teil einer Kampagne machen lassen und nicht informiert, sondern kampagnisiert.“
„Die Regierung hat jetzt das Dick-Pic-Verbot offenbar für den ORF gemacht, am Karnickelberg.“
„Beklagen Sie sich nicht, dass irgendwann einer von den fünf Millionen Haushalten, wovon vier Millionen den ORF nicht mehr konsumieren, sagt: Ich will keine 240 Euro mehr zahlen im Jahr für dieses Schmierentheater.“
„Der Kelomatdeckel ist runtergeflogen und seitdem quillt dort alles heraus, was die letzten zehn, zwanzig Jahre unter dem Kelomatdeckel eines starken Generaldirektors unterdrückt wurde.“
Milo Rau, Intendant der Wiener Festwochen:
„Ich habe da eine unglaublich aufdringliche gewalttätige Form der Kommunikation gesehen, die ich extrem beunruhigend finde.“
„So unfair solche Debatten für die Einzelpersonen auch sein können und so fürchterlich sie für alle Beteiligten sind, so wichtig sind sie, um ein Umdenken in der Gesellschaft zu bringen.“
„Ist ein Betrieb wie der ORF tatsächlich disfunktional? Da einen Schritt weiterzukommen ist der SInn dieser Debatte.“
Jegliche Zitate dürfen ausschließlich in Zusammenhang mit dem Sendehinweis "Talk im Hangar-7 bei ServusTV" verwendet werden.
Die gesamte Sendung zum Nachsehen gibt es bei
ServusTV On.
„Talk im Hangar-7“
Donnerstags ab 22:15 Uhr – live bei ServusTV und ServusTV On.