Frischer Wind in Gramais "Heimatleuchten" am Fr., 25.04., ab 20:15 Uhr Wir sind zu Gast in Gramais, im hintersten Winkel des Tiroler Lechtales. Hier, in der kleinsten eingeständigen Gemeinde Österreichs, haben bis vor kurzem noch die Männer das Sagen gehabt. Bis schließlich die junge Bauerntochter Steffi Krabacher das Bürgermeisteramt übernimmt, den amtsmüden Langzeitbürgermeister Michael Fasser ablöst und so der Minigemeinde die Eigenständigkeit rettet. Doch nicht genug damit, dass Gramais jetzt eine „Frau Bürgermeister“ hat und im Gemeinderat die Damen immer mehr Sitze erobern, auch bei der Feuerwehr ist der Frauenanteil weltrekordverdächtig! Seit unserem letzten Besuch sind gleich acht Neue dazugekommen, in der Mehrzahl Damen. Da wäre zum Beispiel Hannah. Aus London über Umwegen nach Gramais gekommen, will sie dem bäuerlichen Bergvolk Yoga beibringen und ist unerschütterlich in ihrem Glauben, dass sie irgendwann auch mal zu ihr in die Yogastunde kommen werden, die Gramaiser. Moni ist einst der Liebe nach Gramais gezogen. Nun führt die Protagonistin erfolgreich ein Kaffee unten im Lechtal. „Jetzt erst recht“, dachte sie damals, als ihr Schwiegervater Adolf davon abraten wollte. Der ist mittlerweile fast neunzig und eigentlich heilfroh, dass sein Sohn Bernhard, schüchtern wie er war, ein so sauberes Mädel aus der Stadt bekommen hat. Der frische Wind in Gramais hat auch gleich ein paar Neue ins Dorf geweht. Mit Sascha, Constanze und ihrer Tochter Maxime ist die Dorfbevölkerung schlagartig um fast 10 Prozent gewachsen. Gramais bringt es dadurch im Moment auf 43 Einwohner! Doch wie hat es die Familie aus dem deutschen Thüringen nach Gramais verschlagen? In ein stecknadelgroßes Dorf, in dem es weder Schule, Arzt noch Geschäft gibt. Fakt ist: Maxime ist 12 Jahre alt und die einzige Jugendliche im Dorf. Und ist nun zusammen mit ihren Eltern ins erste Fertigteilhaus des Dorfes gezogen, auch eine Neuheit in Gramais. Steffi, die Bürgermeistein, ist von Beruf eigentlich biomedizinische Analytikerin. Doch sie folgt ihrem Herzen, hängt ihren Job in Innsbruck an den Nagel, kehrt auf den elterlichen Hof zurück, heiratet den Dietmar aus dem Nachbartal und ist aktuell Mutter von zwei Kindern. Drei Generationen unter einem Dach, so wie früher, davon träumen viele im Bergdorf. Steffi ist heilfroh, dass sie von ihren Schwestern und den Eltern unterstützt wird, denn gleichzeitig ist sie auch Nebenerwerbsbäuerin und Teilzeitordinationshilfe unten im Tal. Vielleicht ist Florian aus Bayern ja ein Kandidat für eine neugebaute Gemeindewohnung. Denn auf so einen wie ihn haben sie nur gewartet, die Gramaiser. Ein gestandener Handwerker, gelernter Maurer und Zimmermann, soll er sein. Und Junggeselle noch dazu. Deshalb ist es auch nicht so schlimm, dass er kein Tiroler ist. Doch das wird sich vielleicht bald ändern, denn ausgerechnet die Tochter des Ex-Bürgermeisters soll Florian angelockt haben. Und wenn der Pfeil des Amor sein Ziel nicht verfehlt hat, könnte es bald wieder eine deutsch-österreichische Ehe geben, so wie es bereits ein halbes Dutzend davon gibt, in Gramais. Der Titel als „kleinste eigenständige Gemeinde Österreichs“ scheint in Gefahr. Ja, aber das soll wohl die kleinste Sorge sein, hier am schönsten Ende der Welt, wie die Gramaiser sagen.